Biblia (Band 1) Das ist: Die ganze Heylige Schrifft, Teutsch. D. Mart.Luth. Sampt einem Register / Summarien über alle Capitel / und schönen Figuren

Gedruckt in Frankfurt am Mayn bei Georg Rab für W. Han (Erben) und Sigmund Feyerabend, 1570

Hiob 40

Zweite Rede des HERRN aus dem Wettersturm

6Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wetter und sprach:

7Gürte wie ein Mann deine Lenden; ich will dich fragen, lehre mich! (Hiob 38,3) 8Solltest du mein Urteil zunichte machen und mich verdammen, daß du gerecht seist? 9Hast du einen Arm wie Gott, und kannst mit gleicher Stimme donnern, wie er tut? (Hiob 37,5) 10Schmücke dich mit Pracht und erhebe dich; ziehe Majestät und Herrlichkeit an! 11Streue aus den Zorn deines Grimmes; schaue an die Hochmütigen, wo sie sind, und demütige sie! 12Ja, schaue die Hochmütigen, wo sie sind und beuge sie; und zermalme die Gottlosen, wo sie sind! 13Verscharre sie miteinander in die Erde und versenke ihre Pracht ins Verborgene, 14so will ich dir auch bekennen, daß dir deine rechte Hand helfen kann.

15Siehe da, den Behemoth, den ich neben dir gemacht habe; er frißt Gras wie ein Ochse. 16Siehe seine Kraft ist in seinen Lenden und sein Vermögen in den Sehnen seines Bauches. 17Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten. 18Seine Knochen sind wie eherne Röhren; seine Gebeine sind wie eiserne Stäbe. 19Er ist der Anfang der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, der gab ihm sein Schwert. 20Die Berge tragen ihm Kräuter, und alle wilden Tiere spielen daselbst. 21Er liegt gern im Schatten, im Rohr und im Schlamm verborgen. 22Das Gebüsch bedeckt ihn mit seinem Schatten, und die Bachweiden umgeben ihn. 23Siehe, er schluckt in sich den Strom und achtet's nicht groß; läßt sich dünken, er wolle den Jordan mit seinem Munde ausschöpfen. 24Fängt man ihn wohl vor seinen Augen und durchbohrt ihm mit Stricken seine Nase?

25Kannst du den Leviathan ziehen mit dem Haken und seine Zunge mit einer Schnur fassen? (Jes. 27,1) 26Kannst du ihm eine Angel in die Nase legen und mit einem Stachel ihm die Backen durchbohren? 27Meinst du, er werde dir viel Flehens machen oder dir heucheln? 28Meinst du, daß er einen Bund mit dir machen werde, daß du ihn immer zum Knecht habest? 29Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn für deine Dirnen anbinden? 30Meinst du die Genossen werden ihn zerschneiden, daß er unter die Kaufleute zerteilt wird? 31Kannst du mit Spießen füllen seine Haut und mit Fischerhaken seinen Kopf? 32Wenn du deine Hand an ihn legst, so gedenke, daß es ein Streit ist, den du nicht ausführen wirst.

Hiob 41

Fortsetzung der Schilderung des Leviathan

1Siehe, die Hoffnung wird jedem fehlen; schon wenn er seiner ansichtig wird, stürzt er zu Boden. 2Niemand ist so kühn, daß er ihn reizen darf; wer ist denn, der vor mir stehen könnte? 3Wer hat mir etwas zuvor getan, daß ich's ihm vergelte? Es ist mein, was unter allen Himmeln ist.

4Dazu muß ich nun sagen, wie groß, wie mächtig und wohlgeschaffen er ist. 5Wer kann ihm sein Kleid aufdecken? und wer darf es wagen, ihm zwischen die Zähne zu greifen? 6Wer kann die Kinnbacken seines Antlitzes auftun? Schrecklich stehen seine Zähne umher. 7Seine stolzen Schuppen sind wie feste Schilde, fest und eng ineinander. 8Eine rührt an die andere, daß nicht ein Lüftlein dazwischengeht. 9Es hängt eine an der andern, und halten zusammen, daß sie sich nicht voneinander trennen. 10Sein Niesen glänzt wie ein Licht; seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. 11Aus seinem Munde fahren Fackeln, und feurige Funken schießen heraus. 12Aus seiner Nase geht Rauch wie von heißen Töpfen und Kesseln. 13Sein Odem ist wie eine lichte Lohe, und aus seinem Munde gehen Flammen. 14Auf seinem Hals wohnt die Stärke, und vor ihm her hüpft die Angst. 15Die Gliedmaßen seines Fleisches hangen aneinander und halten hart an ihm, daß er nicht zerfallen kann.

Text der Luther-Übersetzung (1912) von Hiob 40, 6 bis Hiob 41, 15

Biblia (Band 1) Das ist: Die ganze Heylige Schrifft, Teutsch. D. Mart.Luth. Sampt einem Register / Summarien über alle Capitel / und schönen Figuren

Gedruckt in Frankfurt am Mayn bei Georg Rab für W. Han (Erben) und Sigmund Feyerabend, 1570