Biblia (Band 1) Das ist: Die ganze Heylige Schrifft, Teutsch. D. Mart.Luth. Sampt einem Register / Summarien über alle Capitel / und schönen Figuren

Gedruckt in Frankfurt am Mayn bei Georg Rab für W. Han (Erben) und Sigmund Feyerabend, 1570

Hiob 10

11Du hast mir Haut und Fleisch angezogen; mit Gebeinen und Adern hast du mich zusammengefügt. 12Leben und Wohltat hast du an mir getan, und dein Aufsehen bewahrt meinen Odem. 13Aber dies verbargst du in deinem Herzen, ich weiß, daß du solches im Sinn hattest: 14wenn ich sündigte, so wolltest du es bald merken und meine Missetat nicht ungestraft lassen. 15Bin ich gottlos, dann wehe mir! bin ich gerecht, so darf ich doch mein Haupt nicht aufheben, als der ich voll Schmach bin und sehe mein Elend. 16Und wenn ich es aufrichte, so jagst du mich wie ein Löwe und handelst wiederum wunderbar an mir. (Jes. 38,13) 17Du erneuest deine Zeugen wider mich und machst deines Zornes viel auf mich; es zerplagt mich eins über das andere in Haufen.

18Warum hast du mich aus Mutterleib kommen lassen? Ach, daß ich wäre umgekommen und mich nie ein Auge gesehen hätte! (Hiob 3,3; Hiob 3,11; Jer. 20,14) 19So wäre ich, als die nie gewesen sind, von Mutterleibe zum Grabe gebracht. 20Ist denn mein Leben nicht kurz? So höre er auf und lasse ab von mir, daß ich ein wenig erquickt werde, 21ehe ich denn hingehe und komme nicht wieder, ins Land der Finsternis und des Dunkels, (Hiob 7,10) 22ins Land da es stockfinster ist und da keine Ordnung ist, und wenn's hell wird, so ist es wie Finsternis.

Hiob 11

Zofars erste Rede

1Da antwortete Zophar von Naema und sprach:

2Wenn einer lang geredet, muß er nicht auch hören? Muß denn ein Schwätzer immer recht haben? 3Müssen die Leute zu deinem eitlen Geschwätz schweigen, daß du spottest und niemand dich beschäme? 4Du sprichst: Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen. (Hiob 9,21; Hiob 10,7) 5Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf (Hiob 38,1) 6und zeigte dir die heimliche Weisheit! Denn er hätte noch wohl mehr an dir zu tun, auf daß du wissest, daß er deiner Sünden nicht aller gedenkt. (Ps. 51,8)

7Meinst du, daß du wissest, was Gott weiß, und wollest es so vollkommen treffen wie der Allmächtige? 8Es ist höher denn der Himmel; was willst du tun? tiefer denn die Hölle; was kannst du wissen? 9länger denn die Erde und breiter denn das Meer. 10So er daherfährt und gefangen legt und Gericht hält, wer will's ihm wehren? 11Denn er kennt die losen Leute, er sieht die Untugend, und sollte es nicht merken?

12Ein unnützer Mann bläht sich, und ein geborener Mensch will sein wie ein junges Wild. 13Wenn du dein Herz richtetest und deine Hände zu ihm ausbreitetest; 14wenn du die Untugend, die in deiner Hand ist, fern von dir tätest, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe: 15so möchtest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten. 16Dann würdest du der Mühsal vergessen und so wenig gedenken als des Wassers, das vorübergeht; 17und die Zeit deines Lebens würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstere würde ein lichter Morgen werden; 18und dürftest dich dessen trösten, daß Hoffnung da sei; würdest dich umsehen und in Sicherheit schlafen legen; 19würdest ruhen, und niemand würde dich aufschrecken; und viele würden vor dir flehen. (Ps. 3,6; Ps. 4,9) 20Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und sie werden nicht entrinnen können; denn Hoffnung wird ihrer Seele fehlen. (Hiob 8,13)

Hiob 12

Hiobs erste Antwort an Zofar

1Da antwortete Hiob und sprach:

2Ja, ihr seid die Leute, mit euch wird die Weisheit sterben! 3Ich habe so wohl ein Herz als ihr und bin nicht geringer denn ihr; und wer ist, der solches nicht wisse? 4Ich muß von meinem Nächsten verlacht sein, der ich Gott anrief, und er erhörte mich. Der Gerechte und Fromme muß verlacht sein

Text der Luther-Übersetzung (1912) von Hiob 10, 11 bis Hiob 12, 4

Biblia (Band 1) Das ist: Die ganze Heylige Schrifft, Teutsch. D. Mart.Luth. Sampt einem Register / Summarien über alle Capitel / und schönen Figuren

Gedruckt in Frankfurt am Mayn bei Georg Rab für W. Han (Erben) und Sigmund Feyerabend, 1570